Die Geschichte der Bergstadt
Die Geschichte der Bergstadt Sankt Andreasberg ist eng mit der Bergbaugeschichte des Ortes verknüpft. Über vier Jahrhunderte lebte die Bevölkerung fast ausschließlich vom Bergbau. Weil der Rehberger Graben seit mehr als 300 Jahren das Oder-Wasser in die Bergstadt führt, kann die Stadt heute zu ca. 90 % mit Strom aus Wasserkraft versorgt werden – zumindest lokal ist die Energiewende schon geschafft.
Gründung und Bergbau-Blütezeit (1487–1580)
1487 wird „sanct andrews berges" erstmals urkundlich erwähnt. Zwei Gewerke (Bergbaubetriebe) streiten über Grubenfelder – eine feste Ansiedlung von Bergleuten ist noch unwahrscheinlich. 1521 rufen die Hohnsteiner Grafen die erste Bergfreiheit aus und die Grube Samson wird in Betrieb genommen. Die zweite erweiterte Bergfreiheit von 1527 zeigt schnell Wirkung: Bergleute aus dem Erzgebirge siedeln sich in Sankt Andreasberg an.
1528 beginnt der Aufbau der Bergstadt: 116 Gruben sind in Betrieb. 1537 stehen 300 Wohnhäuser, ca. 2.000 Einwohner leben hier, Richter und Rat nehmen ihre Arbeit auf. In den Jahren 1566 bis 1572 gibt es sehr hohe Ausbeute. 1579 zählt man 480 Bergleute und ca. 2.500 Einwohner – die Hochblüte der Bergstadt.
Krisen und Wiederaufbau (1580–1700)
Um 1590 wird der Sonnenberger Graben gebaut. 1577 und 1625 wütet die Pest in der Bergstadt und reduziert die Einwohnerzahl. Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) lähmt den gesamten Harzer Bergbau. 1653 wird der Ackerbau verboten, um mehr Bergleute zur Verfügung zu haben. 1672 wird das Direktorialprinzip eingeführt: Das Bergamt übernimmt die Betriebsführung.
Das Wasserkraft-Erbe: Rehberger Graben
Um 1600 wurde der Alte Rehberger Graben gebaut. Er führt seit mehr als 300 Jahren das Oderwasser in die Bergstadt und ermöglicht heute die weitgehende Stromversorgung aus Wasserkraft. Dieser Graben ist Teil des Oberharzer Wasserwirtschaftssystems – heute UNESCO-Welterbe.
Von der Bergstadt zum Luftkurort (1800–2011)
Mit dem schrittweisen Niedergang des Bergbaus im 19. und frühen 20. Jahrhundert wandelt sich Sankt Andreasberg. 1910 wird der aktive Bergbau endgültig eingestellt. Die Grube Samson, das bedeutendste Bergwerk, öffnet 1992 als Besucherbergwerk. Seit November 2011 gehört Sankt Andreasberg zur Stadt Braunlage (Landkreis Goslar). Das Stadtgebiet erstreckt sich zwischen 400 und 870 m über dem Meeresspiegel, mitten im Nationalpark Harz.
UNESCO-Welterbe 2010
Im Jahr 2010 wurde die Grube Samson als Teil des Oberharzer Wasserwirtschaftssystems in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Das einzigartige Wasserkunstwerk aus dem 19. Jahrhundert zählt zu den bedeutendsten Bergbaudenkmälern Europas. Als Besucherbergwerk bietet die Grube Samson heute einzigartige Einblicke in die Bergbaugeschichte.